Games im Serienformat – Kann das gut gehen?

Fortsetzung folgt… Ein Horror für viele TV-Serien Fans. Doch geht es hier nicht um TV-Sendungen sondern um Computerspiele. In den letzten Jahren hat sich ein neuer Trend entwickelt. Ein Trend, der die Gamesbranche verändern könnte. Die Rede ist von Spielen, die einen seriellen Charakter haben. Im Gegensatz zu Vollpreisspielen, wird diese Art von Spielen in Episoden veröffentlicht. Neue Ideen werfen neue Fragen auf. Wie kam es dazu? Was ist das Vorbild für dieses System? Tut diese Entwicklung der Branche gut?

Onlinezwang & DLC’s
Vor zehn Jahren war es noch normal, einfach in den Laden zu gehen, sich ein Spiel auszusuchen und dieses in seiner Gänze zu besitzen. Dies ist allerdings Vergangenheit. Unsere Zeit ist von DLC’s, Patches und Updates geprägt –  man kauft nur noch das Basisspiel und wer mehr möchte, muss zahlen. Doch wieso hat sich diese Art des Verkaufens etablieren können? Der wohl wichtigste Faktor ist die immer größer werdende Bedeutung des Internets. Publishergrößen wie Electronic Arts wollten zunächst ihre Spiele mithilfe eines Online-Schutzes besser vor Raubkopierern schützen. Durch diesen Schutz musste sich der Spieler mit dem Internet verbinden, um das Spiel spielen zu können. Doch war dies nicht der ausschlaggebende Grund: der große Durchbruch für DLC’s und die jetzigen Episodenspiele kam wohl mit Steam. Steam ist der größte digitale Spieleanbieter. Für Spieler ein Traum: Jederzeit online Spiele kaufen, Newcomer entdecken, mit seinen Freunden spielen und Momente teilen. Der Erfolg dieser Plattform, lässt sich anhand der Nutzerzahlen aufzeigen: Anfang 2014 nutzen über 75 Millionen User Steam aktiv und schaffen dadurch eine riesige Onlinecommunity.
Für Entwickler und Publisher ist Steam und die Nutzung des Internets ein wahrer Segen. Spieler werden nicht mehr nur über Magazine über neue Spiele informiert. Social Media und Webseiten spielen eine wichtige Rolle. Schon seit langem werden Spiele wie zum Beispiel Battlefield mithilfe von DLCs erweitert. So werden neue Waffen, Spieltypen und Karten implementiert. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Veröffentlichungen in Episodenformat eine Weiterentwicklung der DLCs sind.

Kickstarter
Ein weitere Veränderung in der Branche ist Kickstarter. Auf dieser Plattform können Startups oder Unternehmer ihr Produkt vorstellen und von sogenannten Backern finanzieren lassen. Dabei wird häufig mit kleinen Belohnungen geködert, welche man ab einen gewissen Spendenbetrag erhält. Games sind besonders beliebt und werden regelmäßig über die Plattform finanziert. Leider müssen die Benutzer nicht nur Geld, sondern auch Vertrauen in die Entwickler investieren. Wer sagt, dass mir das Endprodukt wirklich gefällt oder überhaupt released wird? Um das Vertrauen der Unterstützer zu gewinnen, wird die Plattform so transparent wie möglich gehalten.

Eine Lösung für beide Parteien kann das Serienformat sein. Anstatt das Spiel komplett zu releasen, werden Spiele einfach in Abschnitte unterteilt und in gewissen Abständen veröffentlicht. Dadurch erhält der Kunde/Unterstützter in Abständen etwas für sein Geld und wird zufrieden gestimmt. Der Entwickler zeigt, dass gearbeitet wird und kann abhängig vom Feedback die zukünftigen Episoden besser anpassen.

Das Vorbild
Doch woher kommt diese Idee? Der Ursprung des seriellen Charakters ist einfach zu finden, denn wir sind insbesondere im medialen Bereich umgeben von Serien. Die meisten Unterhaltungsmedien wie Filme, Serien und Bücher werden mithilfe eines seriellen Systems veröffentlicht und haben Erfolg. So lassen sich typische Charakteristiken auch in Computerspielen mit Seriencharakter erkenne. Abschnitte werden in meist regelmäßigen Zeitabständen veröffentlicht und ein Cliffhänger ist nahezu unverzichtbar. Mehr über Serien und ihre Wirkung wurde in unserem Artikel „Warum Serien die besseren Filme sind“ behandelt.

Episoden in verschiedenen Genre
Nachdem nun geklärt wurde, wie diese Spiele veröffentlicht werden und woher die Idee dazu kommt, sollte man sich zwei verschiedene Genres anschauen, um einen besseren Überblick zu bekommen:

Onlinespiele:
„Guild Wars 2“ setzt beispielsweise auf dieses System. So werden neben Addons (welche auch einen seriellen Charakter haben) auch regelmäßig Story- und Contentupdates veröffentlicht. Dabei muss der Spieler das Grundspiel bereits besitzen.

Offlinespiele:
Ein aktuelles Beispiel ist „Life ist Strange“ oder „The Walking Dead“. Dabei kann man sich die Episoden entweder einzeln oder in Form eines Seasonpass kaufen. So werden wie vorher beschrieben in regelmäßigen Abschnitten neue Episoden veröffentlicht und der Spieler erhält nach und nach ein vollwertiges Spiel.

Ein System mit Zukunft?
Doch hat dieses System überhaupt eine Zukunft? Ist diese Art der Veröffentlichung nur eine Modeerscheinung? Diese Fragen lassen sich recht schwer beantworten, da der serielle Charakter in Computerspielen noch recht jung ist. Was sich allerdings beantworten lässt, dass immer mehr Studios auf dieses System bauen.

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Christian Theisen

Aktuell studiert Chris Medienwissenschaften in Köln und interessiert sich für Games und deren soziale Wirkung. Außerdem studierte er für ein Jahr in Tokyo.
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