Süße Monster beißen doch! – Ein kurzer Blick auf evolve

Angespielt: Evolve auf der gamescom 2014

Ich bin kein großer Fan von Multiplayershootern. Nicht nur weil ich gerne Kontakt mit wütenden, präpubertären Jugendlichen und Kaskaden von homophoben und mysogynen Witzen vermeide, sondern auch weil ich einfach zu faul für sie bin.

Aufleveln, mit Freunden zum Spielen verabreden, Ausreden für den nicht vorhandenen Skill finden. Das sind alles Dinge, für die ich mir nicht oft Zeit nehmen will.

Doch ab und zu breche auch ich mein Zölibat und lasse mich dazu bewegen, digitale Verabredungen einzuhalten, in ein Headset zu brüllen und die Lobby bei betreten direkt auf stumm zu stellen.
Das letzte Spiel was mich dazu gebracht hat und auch immer noch bringt war Left 4 Dead und sein mindestens genauso unterhaltsamer Nachfolger.

Zum Anfang nächsten Jahres bringt Turtle Rock Studios, die Macher der mittlerweile schon was älteren Zombie-Metzel-Reihe, evolve auf den Markt. Ein Spiel, das mich eventuell wieder dazu bringen könnte, meine Solospielerkarriere ein paar Stunden hinter mir zu lassen.

Ich hatte auf der diesjährigen gamescom die Ehre, den asymetrischen Coop Shooter anspielen zu können und das nicht nur als Teil des Vierer Squads, sondern auch als Monster, gegen das der Rest kämpft.

Evolve folgt dabei einer recht einfachen Prämisse. Ein Team aus vier Spielern muss in einer recht offenen, dschungelähnlichen Landschaft ein Monster töten, welches versucht diese und deren Basis zu zerstören.

Beide Seiten werden dabei von menschlichen Spielern gesteuert und hier erinnert das Spiel etwas an den Versus Modus von Left 4 Dead, bei dem Mitspieler auch auf der Seite der Zombies kämpfen durften.

Doch das Kräftegleichgewicht ist bei Evolve ein anderes als bei Left 4 Dead, wo es eher auf Quantität der Zombies ankam, als auf auf die Stärke der einzelnen Gegner.

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Als Monster seit ihr zwar auf euch allein gestellt, seit aber fast übermächtig. Ihr könnt extrem viele Treffer einstecken und dazu noch neue Fähigkeiten erlernen und verbessern indem ihr Tiere, die in der Umgebung frei rumlaufen, erlegt. Nicht umsonst heißt das Spiel “evolve”!

Als Spieler müsst ihr diese Unterlegenheit durch Taktik wieder gut machen. Jeder Spieler übernimmt eine andere Klasse, wie z.B. den Medic (dazu muss ich wohl nichts sagen) oder den Trapper (kann Fallen legen, die das Monster nicht nur verletzen sondern auch helfen können, dieses aufzuspüren), und somit auch eine spezifische Funktion im Team.

Ohne Kooperation seit ihr verloren. Nicht nur im Kampf gegen das Monster, dem ihr in den ersten Spielminuten erstmal gar nicht begegnet, sondern auch bei der Exploration der Umgebung und dem Töten von feindlichen Tieren.
Es kann knifflig sein den Spagat zwischen Überleben, Basis beschützen und das Monster finden, bevor es sich zu weit entwickelt, zu schaffen. Auch meine Mitspieler und ich wurden im ersten Spiel hoffnungslos gedemütigt, obwohl wir gut in das Spiel reinkamen.
Doch hier zeigt evolve seine entscheidende Stärke. Ich war nach dem ersten Spiel nicht frustriert, sondern angefixt meine Taktik zu verbessern und es noch einmal zu versuchen.
Desweiteren spricht mich, als temporärer Menschenfeind, die Prämisse ab und zu in der Rolle des Monsters auf Teamgeist verzichten zu können und stattdessen ruchlos durch die Spielwelt zu marodieren sehr an. Kleine Kniffe wie die Möglichkeit das Monster durch Fußspuren und aufschreckende Vögel zu entdecken lassen evolve nochmal besonders gut durchdacht wirken und geben dem ganzen für beide Seiten mehr taktische Tiefe.

Im Februar 2015 wird sich zeigen, ob Turtle Rock mit ihrer Mischung aus  kooperativen Bosskämpfen und Jagdsausen auch mehr als nur ein paar Matches lang überzeugt und mich aus meiner Mutiplayerdiaspora holt.

Bilder: 2kgames.com

Marco Siegmund

Spielt sowohl Computer als auch hauptsächlich Videospiele seitdem er denken kann. Begann seine Laufbahn mit der PSone und ist seitdem auch der Playstation als Hauptplattform treu geblieben. Abgeneigt ist er den anderen Konsolen und dem PC allerdings nicht. Als Jugendredakteur sieht er seine Aufgaben darin, das allgemeine Bild von Videospielen zu verbessern